Alice Herz-Sommer und die Ästhetik des Widerstands

Wann?
Am 24.01.2013 um 19:00 Uhr

WO?
Roter Saal Braunschweig

Vortragskonzert mit Prof. Dr. Helmut Reuter und Ana-Marija Markovina

Veranstalter: Stadt Braunschweig, Fachbereich Kultur

Die Ästhetik des Widerstands – Das Existenzielle in der Kunst.

Ein Nachdenken über Theresienstadt und seine Künstler Viktor Ullmann und Alice Herz-Sommer

Wir sind bedroht vom historischen Vergessen. Die literarischen und künstlerischen Dokumente, die noch inspiriert sind von den großen Verbrechen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts verschwinden hinter den Trivialitäten einer kommerzialisierten Gegenwart.

Peter Weiss’ Dokument der Verbindung zwischen künstlerischer Gestaltung und ge-sellschaftlich politischem Widerstand ist nur noch Eingeweihten vertraut. Die Kultur-welt der Ghettos und Konzentrationslager hat verschiedene Vergegenwärtigungen in den letzten 60 Jahren gefunden ohne in ihrer eigentlichen Bedeutung in das Be-wusstsein breiter Bevölkerungsschichten gedrungen zu sein. Ana-Marija Markovinas künstlerische Arbeit legt einen besonderen Akzent auf die Vergegenwärtigung der musikalischen Welt dieses Kulturraums. Es handelt sich um Werke, die in einer di-rekten Inspiration durch die existentielle Bedrohung stehen und dadurch ein Aus-drucksvermögen erreichen, das erschütternd und fremd für uns bleibt. Es gehört aber zur Menschenbildung sich diesen Erschütterungen auszusetzen. Die Musik von Vik-tor Ullman, Gideon Klein und Pavel Haas muss erklingen und gerade für uns erklin-gen, um die Welt geistigen und seelischen Widerstandes als Perspektiverweiterung unseres Lebens erfahrbar zu machen. Alice Herz-Sommer ist die noch letzte lebende Zeugin der Kulturwelt Theresienstadt. Die geistige, wissenschaftliche, künstlerische und musikalische Elite Europas war dort in der Todeserwartung beieinander. Diese Vereinigung der existenziellen Grenze mit dem singulären ästhetischen Vermögen darf nicht verborgen bleiben. Ihre Manifestationen, sei es im Gedicht, im Bild oder im Klang wieder zum Leben zu erwecken ist Ana-Marija Markovinas selbstverpflichtete Botschaft auch in der Zusammenarbeit mit dem Kulturpsychologen Prof. Dr. Helmut Reuter.

Musik von Viktor Ullmann