Richard Wagner und das Gehirn

Wann?
Am 04.08.2013 um 10:30 Uhr

WO?
Steingraeber Haus Bayreuth

Vortragskonzert mit Prof. Dr. Helmut Reuter und Ana-Marija Markovina

Veranstalter: Gesellschaft der Freunde von Bayreuth

Die Persönlichkeit Richard Wagners ist eine der facettenreichsten und imponierendsten des 19. Jahrhunderts. In ihm verdichten sich die neuen bürgerlichen Ziele dieses Zeitraums. Die Menschen denken in großen wirtschaftlichen Bezügen, Konzerne werden gegründet, deren wirtschaftliche Bedeutung ihre Eigner zu großem Reichtum führt. Das Musikwesen löst sich aus den feudalen Salons der Schlösser des Adels und hält Einzug in die öffentliche und bürgerliche Sphäre.

Was für Gedanken liegen dem zugrunde? Sie verdichten sich im Kopf Richard Wagners. Seine Identität ist die des Künstlers, des Mystikers, des raunenden Gurus, des Herrschers auf dem Gebiet der Ästhetik und des Unternehmens. Er umgibt sich, wie sein Mäzen, mit feudalen Attributen: Er hat ein prunkvolles Wohnhaus und ein Opernhaus. Das steht auf tönernen Füßen, wenn es nur wirtschaftlichen Prinzipien folgen müsste. Es kann sich nicht selbst erhalten. Es ist ein Subventionsbetrieb. Trotzdem muss ein Produkt vorliegen, dass zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beiträgt. Und dieses Produkt ist von vollständiger Neuartigkeit.

Richard Wagner hatte nicht die geringste Vorstellung von dem, was man im Gehirn durch Musik auslösen kann. Sein Genie hat intuitiv die richtigen Elemente getroffen. Die neuere Hirnforschung ist in der Lage, diese Wirkmechanismen genauer aufzuklären. Als empirische Tatsache kann man festhalten, dass die Wirkung seit gut 150 Jahren in ununterbrochener Intensität anhält. Wir können erklären, was im Kopf der Wagnerianer beim Hören der Oper und schon gar am exklusivsten Ort in Bayreuth stattfindet.

Der Vortrag beschäftigt sich mit diesen neuropsychologischen Grundlagen auf der Ebene einer leicht fasslichen und konkreten Darstellung der Wechselwirkung zwischen Stilelementen der wagnerschen Musik und ihren Wirkungen im Kopf der Zuhörer.